Schacheröffnungen
Die Struktur einer Schachpartie gliedert sich in die Abschnitte Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Partie nur so zum Spaß von Amateuren gespielt wird, von Vereinsspielern in unteren und mittleren Klassen oder von nationalen und internationalen Meistern. Selbst wenn zwei Computer gegeneinander spielen, behält diese Struktur ihre Gültigkeit. Die Eröffnungen werden in drei Hauptgruppen unterteilt:
Offene Spiele
Offene Spiele sind quasi die Mutter aller anderen Eröffnungsgruppen, denn erst sehr spät entwickelten sich die beiden anderen dahin, dass sie eine breite Akzeptanz fanden. Die Offenen Spiele sind gekennzeichnet durch einen Doppelschritt der beiden Königsbauern 1. e2-e4 und 1. … e7-e5. Sie erlauben eine schnelle Entwicklung der Figuren und führen gewöhnlich zu einem scharfen und wechselvollen Spiel. Zu den Offenen Spielen zählen als Klassiker die Spanische Partie, die Italienische Partie, die Russische Partie und das Vierspringerspiel im Anzuge. Etwas aus der Turnierpraxis verschwunden sind das Königsgambit und das Mittelgambit.
Halboffene Spiele
Hier antwortet Schwarz auf den ersten Zug des weißen Königsbauern nach e4 nicht mit e7-e5, sondern mit einem anderen Zug. Die gebräuchlichsten Erwiderungen sind die Sizilianische Verteidigung (1 … c7-c5), die Französische Verteidigung (1. … e7-e6) und die Caro-Kann-Verteidigung (1. … c7-c6). Weniger gebräuchlich sind die Aljechin-Verteidigung (1. … Sg8-f6) und die Skandinavische Verteidigung (1. … d7-d5). Kaum gespielt werden das Königs- und das Damenfianchetto (1. … g7-g6 bzw. 1. … b7-b6). Halboffene Spiele verlaufen in der Eröffnungsphase gewöhnlich weniger scharf, führen aber im Mittelspiel zu vielen taktischen Verwicklungen. Hier sind Spieler gefragt, die eine feine Klinge zu führen vermögen.
Geschlossene Spiele
Zu den Geschlossenen Spielen zählen alle Eröffnungen, bei denen Weiß als ersten Zug nicht e2-e4 spielt. Als häufigste Alternative wird dann mit 1. d2-d4 der Damebauer aktiviert. Darauf stehen Schwarz eine Reihe von Erwiderungen zur Verfügung. Die Indischen Verteidigungen unter ihnen bilden eine eigene große Gruppe und werden mit 1. … Sg8-f6 eingeleitet. Die Nimzowitsch-Indische Verteidigung ( 2. c2-c4 e7-e6 3. Sb1-c3 Lf8-b4) ist die älteste unter ihnen. Sehr beliebt sind auch die Königsindische Verteidigung ( 2. c2-c4 g7-g6) und die Grünfeld-Indische Verteidigung ( 2. c2-c4 g7-g6 3. Sb1-c3 d7-d5). Diese Verteidigungen fordern einen Spieler, der sowohl das taktische als auch das positionelle Spiel beherrscht. Zu den Indischen Verteidigungen muss man ebenso die Ben-Oni-Verteidigung ( 2. c2-c4 c7-c5) und das Budapester Gambit ( 2. c2-c4 e7-e5) zählen. Letzteres führt jedoch sofort zu scharfen Verwicklungen.
Eine ganz eigenständigen Bereich beansprucht das Damengambit (1. d2-d4 d7-d5 2. c2-c4 ) innerhalb der Geschlossenen Spiele. Einige Eröffnungstheoretiker neigen dazu, das Damengambit aus der Gruppe der Geschlossenen Spiele auszugliedern und ihm eine eigenständige Gruppe einzuräumen. Das Damengambit kann man schlecht charakterisieren. Oft verläuft das weitere Spiel in positionellen Bahnen, es gibt aber auch scharfe, taktisch geprägte, Varianten. Wählt Weiß für den zweiten Zug einen anderen als 2. c2-c4, sprechen wir von einem Damenbauernspiel.
Alle anderen ersten Züge von Weiß als die bisher besprochenen zählen gleichfalls zu den Geschlossenen Spielen. Sie stellen aber jeder für sich eine eigenständige Eröffnung dar. Am häufigsten werden hier die Englische Partie (1. c2-c4) und die Bird-Eröffnung (f2-f4) gespielt. Für die Züge 1. Sg1-f3 und 1. Sb1-c3 gibt es keine gebräuchlichen Namen und der Zug 1. b2-b4 wird Sokolski-Eröffnung oder (etwas vulgär) Orang-Utan genannt.
